Betrieb herrschte zwischen den Kleiderständern – schließlich gab es gute Mode zum Nulltarif. - Fotos: klimafairein

ALSFELD/MÜCKE "Nicht zum letzten Mal"

Kleidertauschparty des klimafaireins im Alsfelder Güterbahnhof

04.05.22 - "It’s time for a fashion revolution" – Mit diesen Worten eröffnete Dr. Sabine Schmalz, Geschäftsführerin des klimafaireins, am vergangenen Freitag die erste Vogelsberger Kleidertauschparty, die sich auch Bürgermeister Stephan Paule ansah. Schließlich fand sie in Alsfeld statt, rund um den Güterbahnhof, unterstützt von dessen Inhaber Frank Galfe und der externen Koordinierungsstelle "Tolerantes Alsfeld" vom Bundesprogramm "Demokratie Leben". Frank Galfe sei von Anfang offen für die Idee der Kleidertauschparty gewesen, berichtete Schmalz, sei er doch selbst mit seiner Mode made in Alsfeld und Umgebung auf einem nachhaltigen Weg zu fairer Mode.

Gut besucht und viel beachtet war auch das Angebot im Hof vor dem Güterbahnhof. ...

Dr. Sabine Schmalz (links) und Marlen Philippi, die Organisatorinnen der Kleidertauschparty ...

Dr. Sabine Schmalz begrüßte die Gäste zur Party, links im Bild: Frank Galfe, Besitzer ...

Und genau darum ging es auch bei der Kleidertauschparty des klimafaireins, die sich zeitlich dem "Fashion Revolution Day" zuordnet. Dieser wurde nach dem schweren Unglück in der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch am 24. April 2013 ins Leben gerufen. Bei dem Fabrikeinsturz starben 1.136 Menschen – überwiegend junge Frauen – und etwa 2.500 wurden verletzt. Die Katastrophe wurde schnell zum Symbol der unwürdigen und unsicheren Arbeitsbedingungen in der globalen Modeindustrie. Dass Mode auch anders kann, dass sie verbinden kann, Begegnungen schafft und dass man verantwortlich damit umgehen kann, all das sollte auch diese Party in Alsfeld zeigen: "Ich habe heute eine Strickjacke hier abgegeben, die ich vor Jahren in Lauterbach gekauft habe", erzählte Schmalz in ihrer kurzen Eröffnungsrede. "Ich stelle mir vor, wer alles daran beteiligt war, bis ich sie kaufte: Die Strickerin, die Näherin, der Verpacker, die Transporteure, die Verkäuferin im Laden, um nur ein paar zu nennen. Wir alle sind durch dieses Kleidungsstück verbunden und heute kommt auf unserer Party vielleicht noch jemand Neues hinzu." Mit diesen Gedanken möchte der klimafairein einen Blick weg von Kleidung als Wegwerfware hin zu mehr Wertschätzung richten: Fast 400.000 Tonnen Kleidung werden jährlich allein in Deutschland weggeworfen. Nicht nur, dass die Kleidung oft noch tragbar wäre, ist ein Aspekt der Betrachtungen, sondern auch der mit der Produktion verbundene Wasserverbrauch sowie die CO2-Emissionen. Hinzu kommen die Arbeitsbedingungen der Näherinnen in den Nähmetropolen wie Bangladesch.

Hereinspaziert – die erste Vogelsberger Kleidertauschparty lockte viel Publikum ...

Unter anderem präsentierten sich die Maßschneiderinnen der Max-Eyth-Schule und ...

Mit Siebdruck kam das klimafaireins-Logo auf die T-Shirts.

Freude herrschte auch bei der Kleiderannahme.

Eine Ausstellung des Vereins skizzierte den Weg, den Kleidung in der Regel nimmt, bis sie beispielsweise im Vogelsberg in den Läden liegt oder aus dem Internet in die Kleiderschränke geliefert wird. Es gab Hinweise zu ökologischem Waschen und dem Einsparen von Plastik im Alltag. All das als Angebote, die unaufdringlich zur Verfügung standen. Denn im Mittelpunkt des Tages standen die Freude und die gute Laune – ganz so, wie es auf einer Party auch sein soll. Mit der Abteilung der Maßschneiderausbildung an der Max-Eyth-Schule hatte sich der klimafairein einen interessanten Partner an Bord geholt, der seine Handwerkskunst unter strahlender Frühlingssonne im Hof des Güterbahnhofs präsentierte. Direkt nebenan konnte man seine frisch ertauschten T-Shirts mit einem Logo per Siebdruck verschönen, der Auhof – die Vogelsberger Eismanufaktur – lockte mit seinen Erzeugnissen. Weitere Gaumenfreuden boten sowohl das Team der Lauterbacher zweibar als auch der fairkaufswagen des klimafaireins an, der sich den Partygästen vorstellte. Liebevoll dekoriert, vom Wettergott belohnt und von Gerry Galvin mit Folk vom Feinsten beschallt, war dieser Ort am Freitag der Place to be im Vogelsberg, zumal es ja noch die vielen, vielen schönen Kleidungsstücke gab, die so schnell weg waren, wie sie abgeliefert wurden.

Jede Menge gute Infos gab es auch.

Das System der Kleidertauschparty ist denkbar einfach: Bis zu zehn Stücke konnten die Gäste abliefern, ein kurzer Check und keine fünf Minuten später hingen die Teile fein sortiert an den Ständern im Verkaufsraum von Campus … das Modehaus. Dort wo sonst die hochwertige Kollektion der GeschwisterGalfe präsentiert wird, gab es an diesem Tag alles kostenlos. Reingehen, anschauen, mitnehmen. Alles unbürokratisch und ohne viel Aufwand, denn eine Abrechnung jeglicher Art entfällt: Was übrigblieb, kam noch am selben Wochenende dem Verein Alsfelder erfüllt Herzenswünsche und der Wohnungsloseninitiative La Strada zugute. Die Resonanz war riesig, die Gäste kamen und gingen, der Bestand an Jacken, Hosen, Kleidern., Blusen, Hemden, T-Shirts und Accessoires wurde mehrmals umgeschlagen. Von den Besucherinnen hörte man an diesem Tag nur Gutes: "Auf so etwas haben wir gewartet", hieß es, denn dass Fast Fashion keine Zukunft hat, wissen die meisten Menschen, auch wenn sie noch oft anders handeln. Wenn dann zumindest sichergestellt ist, dass Kleidung nicht entsorgt, sondern mehrfach getragen wird, dann ist dies für viele ein Schritt in die richtige Richtung. Daher konnten natürlich auch Menschen, die nichts mitgebracht hatten, Kleidung aussuchen, abhängen, mitnehmen. Sehr positiv fielen auch die Kooperationen mit Unternehmen und Einrichtungen aus dem Vogelsberg auf. Dass in diesem Ambiente und bei dieser guten Stimmung auch die Begegnung und der Austausch nicht zu kurz kamen, liegt auf der Hand. Am Ende des Tages blieb nur eine Frage offen: Wann findet die nächste Kleidertauschparty statt? (pm) +++


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