Tour der Hoffnung - Benefiz-Radtour für den Kampf gegen Kinderkrebs - Fotos: Privat

REGION Viel mehr als nur Hoffnung

"Tour der Hoffnung": Benefiz-Radtour für den Kampf gegen Kinderkrebs

06.08.22 - Es gibt viele Dinge auf der Welt, die mehr als nur unfair sind. Krebs, insbesondere Kinderkrebs, gehört zu diesen Dingen. Doch nur weil es unfair ist, heißt das nicht, dass es keine Hoffnung gibt. Man kann dagegen kämpfen und sogar als Einzelner Großes bewirken. Professor Dr. Fritz Lampert aus Gießen hat daher vor 40 Jahren den Entschluss gefasst, sich dem Kampf gegen Kinderkrebs anzuschließen und die "Tour der Hoffnung" ins Leben gerufen: Eine jährliche Benefiz-Radtour zugunsten krebskranker Kinder, die inzwischen als eine der größten Spendenaktionen gegen Kinderkrebs weit über Deutschland hinaus bekannt ist. OSTHESSEN|NEWS hat sich vor der 39. Tour am 11. August mit dem Fuldaer Team getroffen.

Professor Dr. Fritz Lampert ist ein deutscher Arzt und Krebsforscher, der vor 40 Jahren als Professor der Kinderonkologie in Gießen genug von der damaligen Situation hatte. Jedes zweite Kind starb damals an Krebs - eine Tatsache, die nicht spurlos an ihm vorbeiging. Mit mehr Geld erhoffte er sich, mehr bewegen zu können. Also kam Lampert auf die Idee, mit einer Radtour Spendengelder für den guten Zweck zu sammeln. Mit etwa zehn Gleichgesinnten wurde damals von Gießen nach Hamburg gestrampelt, um beim Magazin "Stern" Aufmerksamkeit zu generieren. Dies war die Geburtsstunde der "Tour der Hoffnung". 

"Wir wissen, was es heißt, Monate auf einer Kinderkrebsstation zu verbringen"

Sebastian Steuer, Dr. Stephan Wagner, Gabriele Wagner,Helen Wagner, Katrin Steuer ...Foto: Laura Walter

Sebastian Steuer, Schirmherrin Petra Behle, Dr. Kurt Ehlers, Katrin Steuer & Johannes ...

Das Fuldaer Team des Tour der Hoffnung e.V. (Dr. Stephan Wagner, Dr. Kurt Ehlers & Katrin ...Foto: Laura Walter

Über die Jahre entwickelte sich die "Tour der Hoffnung" weiter. Die Idee, mit einer Radtour quer durch Deutschland Spendengelder zu generieren, hatte einen ernsten Hintergrund und fand daher immer mehr Anklang. Auch bei Gabriele und Dr. Stephan Wagner schlug diese Idee hohe Wellen - waren sie doch persönlich von der Thematik betroffen. "Wir sind seit 1997 involviert. Unsere Motivation war damals gezwungenermaßen. Unsere Tochter Katrin ist 1996 an Leukämie erkrankt und war eine der letzten Patienten von Professor Lampert", erzählt Gabriele Wagner.

"1997 sind wir beide dann auch zum ersten Mal mitgefahren. Seitdem sind wir sehr aktiv, fahren jedes Jahr mit und unterstützen die ,Tour der Hoffnung' finanziell. Wir wissen aus erster Hand, was es heißt, viele Wochen und Monate auf einer Kinderkrebsstation zu verbringen. Wir wissen, was so etwas für eine Familie bedeutet." Auch Katrin Steuer (ehemals Wagner) schloss sich dem Team an und ist inzwischen sogar im Vorstand des eigenen Vereins "Tour der Hoffnung e.V.", welcher aus dem Organisationsteam besteht. Doch nicht nur Familie Wagner entschied sich,der "Tour der Hoffnung" beizutreten. Auch langjährige Freunde der Familie, wie etwa Dr. Kurt Ehlers, wurden von dieser Idee angesteckt und wirken bis heute tatkräftig mit. 

Wenn eine Idee die Massen ergreift 


Tour der Hoffnung - Benefiz-Radtour für den Kampf gegen Kinderkrebs

Was ist die "Tour der Hoffnung" also? "Es ist eine soziale Veranstaltung, wo alle Leute ehrenamtlich viel Kraft und Zeit hereinstecken. Man verdient hier nicht, man wird auch nicht berühmt. Jeder Cent wird gespendet. Diese ganzen Touren werden von uns und den ganzen Sponsoren finanziert. Es geht hier darum, einen erheblichen Beitrag zu leisten und Millionenbeträge zugunsten krebskranker Kinder zu generieren", erklärt Stephan Wagner und verweist dabei auch auf das Logo. "Wenn Sie das Logo anschauen, sehen sie einen Radfahrer, der den zweiten anschiebt. Darum geht es bei uns. Wenn jemand in der Not ist, dann helfen und unterstützen wir ihn." 

Der höchste Betrag, den die "Tour der Hoffnung" erzielen konnte, war 2013 um die zwei Millionen Euro. Übrigens war der Startpunkt damals in Fulda - eine sehr spendierfreudige Stadt. 

"Wir sind die Kümmerer"

Die Spendengelder fließen dabei in viele Dinge ein, die man zuvor nicht zwangsweise auf dem Schirm hatte. "Die Krankenkasse übernimmt zwar die Therapie der Kinder, doch gibt es da viel, was auch nicht übernommen wird. Die Betreuung der Kinder, die wochen- oder monatelang in den Krankenhäusern sind. Die Wohnungen der Eltern, die vielleicht näher ins Krankenhaus ziehen müssen, die Kindergärtner, die Betreuer, Spielsachen oder die Lehrer. Das alles unterstützen wir." Doch auch in Sachen Forschung werden die Gelder verwendet. "Die Forschung wird ebenfalls erheblich von diesen Geldern unterstützt. Dadurch, dass der Anteil der erkrankten Kinder in Deutschland prozentual gering ist, liegt der Fokus der Forschung auf anderen Dingen. Unsere Gelder unterstützen den Kampf gegen den Krebs und verschiedenen Formen der Leukämie und fließen auch in den Bereich der Typisierung ein." 

"Die Vorarbeit ist für die Spendensumme essenziell"

Foto: Laura Walter

Die enormen Spendensummen sind vor allem der ausgiebigen Vorarbeit geschuldet. "Die Tour startet immer in Gießen. Es wird im Vorfeld viel Geld gesammelt, vor allem durch die Mittelständler. Wir versuchen, auf Festivitäten präsent zu sein, Werbung zu machen und auch bei der Hitze mit der Dose herumzulaufen. Öffentlichkeitsarbeit und Kontakte zu Firmen oder Geschäftspartnern sind daher von großer Bedeutung.

In Fulda wird die Tour beispielsweise bereits seit 20 Jahren durch den Rotary Club Fulda unterstützt, dessen Mitglieder gemeinsam mit den Fuldaer Wirtschaftsjunioren auch am 13. August aktiv mithelfen werden.

Im Raum Fulda haben wir dieses Jahr bisher eine fünf bis sechsstellige Summe an Spendengeldern erreicht", so Dr. Kurt Ehlers und Dr. Stephan Wagner. Was der genaue Betrag ist, wollen sie jedoch nicht erzählen - natürlich um die Spannung aufrechtzuerhalten. "Wir fahren jedes Jahr daher auch in anderen Gebieten in Deutschland herum, um es publik zu machen. Von den Teilnehmern gibt es keinen, der nicht irgendeine Spende mitbringt." Unter den Teilnehmern sind auch oft bekannte Persönlichkeiten unterwegs. "Unter den teilnehmenden Fahrern waren auch schon Horst Köhler, Joe Kelly, Petra Behle (Schirmherrin), etliche Ministerpräsidenten oder auch Ulrike Nasse-Meyfarth dabei. Dieses Jahr ist auch der Fuldaer Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld dabei". 

Kurzer Blick auf die nächste Tour

Die 39. Tour steht in den Startlöchern und erfordert Einiges an Vorbereitung. "Wir haben jedes Jahr einen straffen Zeitplan, der von unserem sportlichen Leiter durchgezogen wird. Da gibt es keine Gnade, egal ob Hitze, Regen oder Kälteeinbruch. 300 Kilometer werden innerhalb von drei Tagen abgespult. Es bedarf Disziplin und Konzentration. Dennoch, das Ganze macht auch einen riesengroßen Spaß. Es entstehen ganz große Momente, die die Tour zusammen halten. Auch Freundschaften und Kontakte. Es ist inzwischen wirklich familiär, spornt an und macht einen stolz auf das, was man geschafft hat. Diese positive Grundstimmung ist wichtig, um auch neue Interessenten zu generieren", so Gabriele Wagner.

Natürlich gibt es zahlreiche Stopps, Verpflegung, begleitende Servicefahrzeuge für Notfälle. "Bei den ganzen Stopps kann man verschnaufen, während wir von verschiedenen Spendengebern die Gelder annehmen. Unsere Strecken sind auch dahingehend geplant. Es ist ein unheimlicher logistischer Aufwand, denn die Sicherheitsfrage spielt auch eine enorme Rolle bei einer so großen Anzahl von Teilnehmern. Für die etwa 160 Fahrer sind acht Polizeimotorräder eingeplant, um temporäre Umleitungen und Absperrungen zu gewährleisten. Zusammen mit der Stadt Fulda haben wir daher auch einen Plan ausgearbeitet. Die Polizei macht das sehr professionell. Am 13. August werden wir daher zwischen 17 und 18 Uhr in Fulda am Buttermarkt empfangen werden. Davor gibt es bereits ein Musikprogramm, was bis in den Abend reicht. Moderiert wird der Empfang der Radler von Marina Kielmann und Thomas Ernst, die vorher alle einstimmen werden. Danach gibt es sicherlich auch noch Worte vom Oberbürgermeister."

"Solche Momente sind unbeschreiblich"

Die "Tour der Hoffnung" bewirkt Großes und hat daher auch all die Aufmerksamkeit verdient. Auch wenn die Zahl der erkrankten Kinder in Deutschland konstant bei etwa 2200 bleibt - vor 40 Jahren starb jedes zehnte vom Krebs betroffene Kind an der Krankheit - heute liegen die Heilungschancen bei über 80 Prozent. Zahlen, die Hoffnung machen, auch wenn der Kampf lange nicht gewonnen ist. Allerdings gibt es Momente, die zeigen, dass jede Sekunde davon es wert ist. "Einst waren wir in der Kinderklinik in Berlin. Wir wurden dort von den kranken Kindern empfangen, als wir ihnen Geschenke überreichen wollten. Die Freude in ihren Augen zu sehen, war einfach rührend. Darum geht es bei der ,Tour der Hoffnung', das ist ihr Kern. Wir spenden den Kindern nicht nur Geld, sondern auch Hoffnung, teilen ihnen mit, dass wir an sie denken und sie nicht allein sind", erinnert sich Dr. Kurt Ehlers. 

Wenn Sie das Team rund um "Tour der Hoffnung" unterstützen wollen, dann finden Sie hier mehr Informationen. Jede Spende kann helfen, auch wenn sie noch so klein sein mag. Denn eines ist gewiss: Wenn wir in diesen Tagen von etwas nicht genug kriegen sollten, dann ist es die Hoffnung und Freude in den Augen der betroffenen Kinder. Helfen Sie ihnen zu zeigen, dass sie nicht allein sind und dass wir sie gemeinsam ins Ziel bringen. (Mathias Schmidt) +++


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