MIT Hessen ist besorgt über die Folgen eines möglichen Erdgas-Embargos - Symbolfoto: picture alliance/dpa/CTK | Vaclav Salek

REGION Ukrainekrieg und Energiewirtschaft

MIT Hessen besorgt über die Folgen eines Erdgas-Embargos

03.05.22 - Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion Hessen ist besorgt über Sanktionen gegen Erdgas-Lieferungen und befürchtet einen wirtschaftlichen Totalschaden für das Unternehmen und die gesamte deutsche Wirtschaft, mit "unabsehbaren Konsequenzen für die Zukunft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die künftige finanzielle Leistungsfähigkeit Deutschlands".

Das verkündet die MIT Hessen in einer Pressemitteilung. "Wir verurteilen den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und die Schreckenstaten von Butscha und anderen Orten auf das Schärfste. Die Verantwortlichen in Russland müssen zur Verantwortung gezogen werden! Daher unterstützt die MIT Hessen ausdrücklich Waffenlieferungen an die Ukraine und fordert deren schnelle und umfängliche Ausweitung. Auch sämtliche Finanz- und Energiesanktionen für Kohle und Rohölprodukte sehen wir als notwendig und unumgänglich an.
 
Im Hinblick auf Sanktionen gegen Erdgas-Lieferungen sehen sich viele unserer Mitglieder mit einem schwer zu lösenden Dilemma konfrontiert: Jeder will helfen, Menschenleben in der Ukraine zu retten und das unfassbare Leid zu beenden. Gleichzeitig befürchten viele einen wirtschaftlichen Totalschaden für das eigene Unternehmen und die gesamte deutsche Wirtschaft, mit unabsehbaren Konsequenzen für die Zukunft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die künftige finanzielle Leistungsfähigkeit Deutschlands. Nur ein wirtschaftlich starkes Deutschland, kann auch starke humanitäre, finanzielle und militärische Hilfe leisten."
 
Aus Sicht der MIT Hessen muss die Bundesregierung außerdem alles daransetzen, mittelfristig eine Unabhängigkeit von Energieimporten aus Russland zu realisieren. Kurzfristig gilt es nun als Bundesrepublik vorhandene Bezugswege wie die nur zu 27% ausgelasteten und an das deutsche Gasnetz angebundenen LNG Terminals in Frankreich, Belgien und den Niederlanden stärker zu nutzen. Aus Sicht der MIT Hessen ist hier die europäische Solidarität gefordert. Die EU als Werte- und Wirtschaftsgemeinschaft sollte versuchen, eine Energiesolidarität der EU-Mitgliedstaaten untereinander zu schaffen, sodass die vorhandenen Gasspeicher allen Ländern im wirtschaftlichen Kampf gegen den russischen Aggressor zur Verfügung stehen. 

Befürchtungen von Unternehmern

Jürgen Diener

"Nachdem wir uns mehr als zwei Jahre mit der Coronapandemie auseinandersetzen mussten und empfindliche Einbußen hatten, wäre jetzt ein Erdgas-Embargo gerade für Hotels und Wäschereibetriebe der Todesstoß. Eine solche Maßnahme würde intensiv in die Lieferketten eingreifen und das bisschen Erholung, was wir verspüren - wir sind wieder bei 70 Prozent Auslastung - zunichtemachen", erklärt der MIT-Kreisvorsitzende Jürgen Diener, selbst Geschäftsführer der Wäscherei Diener in Ebersburg.

Martin Gremm

"Ein Thermenbereich wie der im 'Sieben Welten' ist sehr stark von Energie abhängig. Wir heizen dort nur mit Gas. Wenn die Gaspreise explodieren, hat das extreme Auswirkungen für uns. Gerade in Deutschland, wo viele Produktionsanlagen mit Gas betrieben werden, kann man nicht einfach sagen: 'Jetzt steigen wir aus!' So einfach ist das nicht. Wir haben keine Alternative und sind nicht vorbereitet. Das betrifft auch das Hotel Esperanto, das mit Gas beheizt wird. Die Kosten für so einen riesigen Komplex müssen überschaubar bleiben - weil sie ja auch an die Gäste weitergegeben werden müssen", erklärt Martin Gremm, Geschäftsführer des Bäder Park Hotels Künzell und des "Esperanto Hotel- und Kongresszentrums" in Fulda.

Mario Beck, Geschäftsführer der Süwag-Gruppe: "Die Süwag-Gruppe versorgt mit rund 1.800 Mitarbeitern rund 38 850.000 Privat- und ca. 50.000 Geschäftskunden mit Strom, Gas und energienahen Dienstleistungen. Wir nehmen unseren Versorgungsauftrag sehr Ernst und beraten daher täglich die aktuelle Lage. Das Ziel, schnellstmöglich unabhängig von russischen Energie-Importen zu werden, ist mittelfristig absolut richtig. Wenn man sich die Importstatistiken von Jan.-März 2022 ansieht und mit 2021 vergleicht, wird deutlich, dass an diesem Ziel bereits gearbeitet wird. Ein kurzfristiges Gasembargo hätte jedoch massive Folgen für unsere Kunden, die industrielle Wertschöpfung erbringen, und würde in der Energiebranche zu massiven wirtschaftlichen Risiken führen."
 
Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Hessen: " Der DEHOGA Hessen vertritt das hessische Gastgewerbe mit über 18.500 Unternehmen (Hotels, Gasthöfe und Pensionen, Ferienunterkünfte und ähnliche Beherbergungsstätten, Campingplätze, sonstige Beherbergungsstätten, Restaurants, Gaststätten, Imbissstuben, Cafés, Eissalons u.Ä., Caterer und Erbringung sonst. Verpflegungsdienstleistungen, Ausschank von Getränken). Diese beschäftigten im Jahr 2019 rund 206.300 Mitarbeiter." (mau/pm) +++


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